Anschlussfinanzierung Finanzieren

Bausparvertrag als Anschlussfinanzierung

Warum sich ein Bausparvertrag als Anschlussfinanzierung lohnen kann und für wen, liest Du in diesem Artikel.

Markus Richter von
Aktualisiert am 06.11.2019
4 Min. Lesezeit
Bausparen als Anschlussfinanzierung - Titelbild

Bei vielen Baufinanzierungen enden Zinsbindung und Laufzeit, noch bevor die Darlehensnehmer ihre gesamte Kreditsumme abgezahlt haben. Für die Tilgung der am Ende verbleibenden Restschuld kann man parallel zum Darlehen einen Bausparvertrag abschließen, um mit diesem nach Ablauf des Darlehens die übrigen Schulden auf einen Schlag zu tilgen.

Doch wie genau funktioniert das und für wen lohnt sich diese Option? Alles Wissenswerte zum Thema Bausparen als Anschlussfinanzierung haben wir im Folgenden zusammengefasst.

Ist ein Bausparvertrag als Anschlussfinanzierung sinnvoll?

Ein Bausparvertrag kann sich unter bestimmten Bedingungen für eine Anschlussfinanzierung eignen. Du sammelst dann parallel zu Deinem laufenden Immobiliendarlehen im Bausparvertrag Geld an und löst das Darlehen mit Ende der Laufzeit mit dem Bausparvertrag ab.

Die Vorteile: Festzins & Entscheidungsfreiheit

Die zwei größten Vorteile sind, dass Du die Möglichkeit hast, frühzeitig zu planen und dir bis zu 15 Jahre im Voraus die Zinsen auf das Bauspardarlehen festzuschreiben. Dazu kommt die Freiheit, das Darlehen nicht anzunehmen, sollten sich Deine Pläne ändern, anders als beispielsweise bei Forward-Darlehen. Und im Gegensatz zur Anschlussfinanzierung per Prolongation oder Umschuldung fördert der Staat Bausparer natürlich.

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Die Nachteile: Zuteilungsreife & Gebühren

Allerdings hat Bausparen als Anschlussfinanzierung auch Nachteile. Der erste ist die sogenannte Zuteilungsreife. Das ist der Zeitpunkt, ab dem Dir das zum Bausparvertrag gehörende Darlehen ausgezahlt werden kann.

Dieser Zeitpunkt ist anfangs nicht genau bestimmbar. Das liegt am Solidaritätsprinzip, also daran, dass zuerst genug Sparer einzahlen müssen, bevor ein Darlehen ausgezahlt werden kann.

Du kannst zwar den Bausparvertrag so planen, dass die Zuteilungsreife etwa mit dem Ende Deines Immobilienkredits zusammenfällt, da diese aber bei 40 bis 50 % der Gesamtsumme liegt, kann es vorkommen, dass trotzdem eine zeitliche Lücke zwischen beiden Darlehen entsteht.

Das zweite Problem bei Bausparverträgen ist, dass sie sich in Zeiten niedriger Zinsen oft nicht finanziell lohnen. Da Du bei Abschluss eine Gebühr von etwa 1 % Deiner Bausparsumme zahlst, sinkt Dein finanzieller Gewinn aus Zinsen und Förderungen.

Zudem lohnt es sich meistens mehr, einfach für Dein Immobiliendarlehen eine höhere Tilgungsrate zu wählen oder aber Sondertilgungen vorzunehmen, wenn Du finanziellen Spielraum hast.

Du bist Dir noch nicht ganz sicher, ob Du weißt, wie Bausparen eigentlich funktioniert? Dann lies hier weiter:

Was ist ein Bausparvertrag?

Ein Bausparvertrag ist eine Möglichkeit, ein Vermögen für die Beschaffung von Wohneigentum anzusparen, kombiniert mit einem Darlehen.

Die Idee des Bausparens kommt aus England. Die Grundidee ist, dass viele Bausparer regelmäßig in einen gemeinsamen Topf einzahlen, sodass die dort gesparte Gesamtsumme nach kurzer Zeit an einen Bausparer ausgezahlt werden kann.

Wie funktioniert Bausparen?

Bei Abschluss eines Bausparvertrages wird zunächst festgelegt, welche Bausparsumme Du benötigst, beispielsweise 100.000 €, und wie viel Du regelmäßig dafür einzahlen möchtest.

Da beim Bausparen teils eigenes Geld gespart und zum Teil Geld geliehen wird, besteht ein Bausparvertrag aus drei Phasen:

1. In der Sparphase zahlst du regelmäßig einen festgelegten Betrag in den Gemeinschaftstopf der Bausparkasse ein. Im Durchschnitt dauert diese Phase sieben Jahre, mindestens aber 18 Monate.

2. Hast Du etwa 40 bis 50 % Deiner anfangs festgelegten Bausparsumme gespart, geht es in die Zuteilungsphase, Du bekommst also Dein gespartes Geld inklusive Zinsen und etwaiger Förderungen ausgezahlt, sowie ein Darlehen, das die restlichen 50–60 % bis zur Gesamtsumme ausmacht.

3. In der Darlehensphase zahlst Du dann weiter in die Bausparkasse ein, dieses Mal allerdings, um das Darlehen abzuzahlen. Maximal läuft ein solches Darlehen 20 Jahre.

Bausparen – ein Beispiel

  • 10 Familien möchten sich den Traum vom Eigenheim erfüllen, das jeweils 100.000 € kostet.
  • Eigenkapital besitzen sie noch nicht.
  • Wenn sie jährlich 10.000 € ansparen könnten, hätte jeder erst nach 10 Jahren die nötigen 100.000 € Kapital zusammen, um bauen oder kaufen zu können.
  • Tun sich aber alle 10 Familien zusammen und zahlt jede Familie pro Jahr diese 10.000 € in einen gemeinsamen Topf ein – die Bauspar-Kasse – ist nach bereits einem Jahr für eine Familie ein Haus für 100.000 € finanzierbar.
  • Diese hat dann 10.000 € Eigenkapital aus dem Topf sowie 90.000 € geliehenes Darlehen, das sie in den kommenden Jahren abbezahlt.
  • Nach einem weiteren Jahr haben wieder alle Parteien jeweils 10.000 € eingezahlt und die zweite Familie kann ins eigene Zuhause ziehen.
  • Die dritte folgt nach 3 Jahren und so weiter.
  • Im Durchschnitt verkürzt sich die Sparzeit aller 10 Familien damit auf 5 1/2 statt 10 Jahre.
  • Nach demselben Prinzip arbeitet ein Bausparvertrag, nur in größerem Maßstab.

Die Vorteile eines Bausparvertrags

  • Darlehenszinsen werden bei Abschluss festgelegt
  • Unabhängigkeit von Marktschwankungen
  • Kostenlose Sondertilgungen

Voraussetzung für einen Bausparvertrag ist zwar, dass Du Deine Bausparsumme für sogenannte wohnwirtschaftliche Zwecke nutzt. Dazu zählt aber nicht nur der Kauf einer Immobilie, sondern auch Sanierungen, Modernisierungen, Umschuldungen von Baufinanzierungen und feste Einbauten wie die Badezimmereinrichtung oder Einbauküchen.

Entscheidest Du Dich gegen den Kauf einer Immobilie, kannst Du das Darlehen ablehnen und das Geld auszahlen lassen. Dann müssen ggf. alle Förderungen zurückgezahlt werden!

Lass Dich zu Bausparverträgen gut beraten

Ob sich ein Bausparvertrag in Deinem Fall als Anschlussfinanzierung bezahlt macht, muss individuell kalkuliert werden. Lass Dir Deine Möglichkeiten zur Anschlussfinanzierung von einem Experten durchrechnen, um mit der günstigsten Option in die zweite Finanzierungsrunde zu starten.

Markus Richter
Markus RichterFinanzierungsexperte
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Seit 25 Jahren arbeite ich im Bereich Immobilien aus verschiedenen Blickwinkeln.
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